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Trotz seiner Krankheiten und Gebrechen, trotz der
Hinfälligkeit des Leibes, die er selbst schmerzlichst erfahren mußte,
forderte er von und für sich Gerechtigkeit und Menschlichkeit. Epigramme
wie das folgende sprechen es lakonisch aus: »Würde des Menschen.
Nichts mehr davon, ich bitt euch. Zu essen gebt ihm, zu wohnen. Habt ihr die
Blöße bedeckt, gibt sich die Würde von selbst.«
Bereits 1777, noch als Zögling der Stuttgarter
Militärakademie, begann er die Räuber. Getrieben vom Haß auf
Herzog Karl Eugen, das Schicksal des Dichters Schubart vor Augen, der insgesamt
zehn Jahre lang auf der Festung Hohenasperg eingekerkert war - und dem er den
Stoff zu den Räubern verdankte -, sollte es ein Buch werden, »das aber
durch den Schinder absolut verbrannt werden muß!«
1781 schließlich war es beendet. Auf eigene Kosten
ließ er es drucken, über den Buchhändler und Kammerrat Schwan in
Mannheim gelangte es zu von Dalberg, dem Intendanten des
Mannheimer Hof- und Nationaltheaters.
Von Dalberg zeigte sich interessiert, und nach einigen Umarbeitungen fand dort
schließlich die Uraufführung statt.
Schiller war mit einem Schlag berühmt.
Im Juli dieses Jahres allerdings wurde er für
vierzehn Tage in Arrest genommen, da er sich - wie schon bei der
Uraufführung - ohne Urlaub nach Mannheim begeben hatte. Im August
schließlich untersagte der Herzog Schiller das
»Komödienschreiben«.
Schiller floh aus Württemberg. Mit seinem Freund,
dem Musiker Andreas Streicher, von dessem Geld er hauptsächlich lebte,
quartierten sie sich nach kurzen Aufenthalten in Mannheim und Frankfurt
inkognito in Oggersheim ein. Den Fiesko, den er mittlerweile fertig hatte,
lehnte von Dalberg ab. Als vermeintliche Häscher des württembergischen
Herzogs auftauchten, drängte man erneut zur Flucht. Eine mütterliche
Freundin aus Stuttgart, Frau von Wolzogen, stellte ihr kleines Gutshaus im
thüringischen Bauerbach zur Verfügung.
Bis Mitte des nächsten Jahres blieb Schiller dort,
entwarf Pläne für Don Carlos und Maria Stuart und schrieb
Kabale und Liebe, eine scharfe
Anklage gegen die leeren Konventionen einer ehrlosen Adelsschicht, deren
Intrigenspiel zwei Liebende zum Opfer fallen.
1783 war er wieder in Mannheim, wo von Dalberg ihm die
Stelle des Theaterdichters angetragen hatte. Nach Ablauf des einjährigen
Kontraktes war Schiller mit Schulden überhäuft, seine Gesundheit
schwer angeschlagen; das »kalte« Fieber, eine Seuche aus den
versumpften Festungsgräben der Stadt, das er sich kurz nach der Ankunft
zugezogen hatte, ließ ihn den gesamten Winter nicht los. Von
Gläubigern und dem Fieber gepeinigt, wurde das Leben ihm zur Qual.
In dieser Situation erinnerte er sich an einen Brief,
den vier unbekannte Verehrer, der Konsistorialrat Körner, der Lektor Huber
und ihre Verlobten, zwei Schwestern, bereits sieben Monate vorher geschrieben
hatten. Er antwortete und erhielt prompt die Einladung, nach Leipzig zu kommen.
Die folgenden zwei Jahre, 1785 bis 1787, verbrachte
Schiller als Gast
Christian Gottfried Körners in
Leipzig und Dresden. Eingebettet in den schwärmerischen Freundeskreis,
getragen von den Finanzen Körners, entstanden hier die
Prosaerzählungen, begann er die Arbeit am Geisterseher und seine
historischen Studien.
1787 allerdings drängte es ihn weiter, in die
Nähe des intellektuell weit reizvolleren Weimar, wo Goethe - der sich
gerade nach Italien beurlaubt hatte -, Herder und Wieland lebten.
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